Jangseung sind außergewöhnliche, eindrucksvolle Statuen, die als Beschützer über das koreanische Volk wachen und es in seinen Dörfern sowie auf fernen Straßen vor Unheil bewahren.

<Steinerner Jangseung mit spitzen Eckzähnen, lächelndem Gesicht und der Inschrift „Großer Erdgeneral“.>
Jangseung, Wächter der Dörfer
Obwohl sie heute größtenteils aus dem Blickfeld verschwunden sind, wurden noch vor kaum 100 Jahren Jangseung am Eingang nahezu jedes Dorfes in Korea errichtet. Neben der Begrüßung von Besuchern sollten diese markanten Pfeiler böse Geister vertreiben, die Hungersnöte, Naturkatastrophen oder Epidemien wie Pocken verursachten. Im Laufe der Jahre wurden Jangseung als Objekte der Volksreligion verehrt, zu denen die Dorfbewohner für die Gesundheit ihrer Familien, für ein Kind oder für einen wunderbaren Ehemann beziehungsweise eine gütige Braut beteten. So schützten die widerstandsfähigen Jangseung das Dorf vor Unheil und dienten zugleich als Schutzgottheiten, deren Ohren für die Wünsche und Hoffnungen der Dorfbewohner offen waren. Jedes Jahr hielten die Dorfbewohner Jangseung-Rituale ab und legten Reiskuchen und Früchte als Opfergaben zu Füßen ihres geehrten Wächters nieder.

<Steinerne Jangseung in Gasan-ri schützen das Dorf vor Epidemien.>
Jangseung, Begleiter der Reisenden
Jangseung fanden sich nicht nur an Dorfeingängen, sondern auch an viel begangenen Straßen als Wegmarken (meist in Abständen von etwa 4 oder 12 Kilometern). Da in die Jangseung nicht nur die Namen benachbarter Dörfer, sondern auch der Standort der Markierung und die Entfernung zu den Dörfern eingraviert waren, dienten diese edlen Wächter als Wegweiser und willkommene Begleiter für Reisende. In der Zeit vor dem Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel und moderner Kommunikationswege konnte der Anblick dieser starken, unzerstörbar wirkenden Beschützer für einen verirrten Reisenden kaum willkommener sein. Damit waren Jangseung ein wesentlicher Bestandteil des koreanischen Lebens und der koreanischen Kultur, der heute bewahrt und gepflegt werden sollte.

<Hölzerner Jangseung und der ihm geweihte Schrein in Hamdeok, Jejudo.>
Jangseung, ein Symbol der starken Lebenskraft des Volkes
Jangseung wurden gewöhnlich aus Holz oder Stein gefertigt. Die heute erhaltenen Jangseung sind meist männliche und weibliche Figuren, deren Namen auf ihre Körper geschrieben sind. Durch die bewusste Veränderung menschlicher Gesichtszüge werden sie symbolisch als Schutzgottheiten dargestellt. Charakteristisch sind grob geformte, hervortretende Augen, eine faustähnliche Nase sowie vorspringende Eck- und Schneidezähne; die meisten Jangseung-Statuen tragen auf dem Kopf den Hut eines Soldaten oder Regierungsbeamten. Durch diese Verzerrung und Übersteigerung schufen die begabten Jangseung-Handwerker das Bild einer Schutzgottheit, das an ein Ungeheuer oder eine Gottheit der Unterwelt erinnert, und gaben zugleich eine Art Porträt des einfachen Volkes. Der erste Eindruck eines Jangseung ist gleichermaßen furchteinflößend und humorvoll – eine Dichotomie, die offenbar aus dem Bestreben der Künstler hervorging, Volksgottheiten vertrauter und zugänglicher in das Alltagsleben der Menschen einzubinden. Die schlaffen und gütigen Gesichter der Großvater- und Großmutter-Jangseung in Dangsan, Buan, sowie das zahnlose, faltige Lächeln der Großmutter-Jangseung und die langen, geflochtenen Schnurrhaare des Großvater-Jangseung im Bulhoesa-Tempel in Naju spiegeln den freundlichen und zugleich satirischen Charakter des einfachen Volkes jener Zeit wider.

<Eine Gruppe hölzerner Jangseung am Ufer des Namgang-Flusses in Jinju.>
Die meisten hölzernen Jangseung verrotteten im Laufe der Jahre, doch viele steinerne Jangseung sind in ihrer ursprünglichen Form nahezu vollkommen erhalten geblieben. Diese eindrucksvollen steinernen Jangseung vermitteln die ästhetischen Werte ihrer Zeit mit großer Genauigkeit. Streng trotz ihres Lächelns und dennoch schön, scheinen sie das Selbstbewusstsein des einfachen Volkes auszudrücken. Die frei gestalteten Gesichter der Jangseung spiegeln im Kern die vielen Gesichter der Koreaner von heute wider. Ihre Kleidung stellt die koreanische einfache Bevölkerungsschicht präzise dar. Jangseung, die trotz ihrer Anfälligkeit gegenüber Wind und Wetter stolz und stark an den Dorfeingängen standen, linderten nicht nur die Einsamkeit vorbeiziehender Reisender und schützten Dörfer vor Krankheit und Unheil, sondern erinnerten auch an die Wärme des koreanischen Volkes, das selbst angesichts sehr schwieriger Lebensumstände zuversichtlich und optimistisch blieb. Das Lied von Byeongangsoe erzählt die Geschichte eines Mannes, der Jangseung als Brennholz verwendete und zur Vergeltung von den Göttern getötet wurde – ein Ausdruck des fortdauernden Glaubens an die Stärke und Lebenskraft der Jangseung und damit auch des koreanischen Volkes selbst.

<Eine ältere Frau betet zum schützenden Jangseung.>

<Eine Jangseung-Zeremonie, bei der Menschen für Frieden und Wohlergehen ihres Dorfes beten.>
* Fotos mit freundlicher Genehmigung der Korea Tourism Organization und der Cultural Heritage Administration of Korea.